Samstag, 11. April 2015

Wenige Tage

vor dem orthodoxen Osterfest machten einige Ukrainer etwas Vernünftiges, wenn auch nicht unbedingt ganz freiwillig, aber dennoch recht gut gelaunt. Beachtenswert ist auch der gepflegte Zustand der Beteiligten.

Ukrainische Kriegsgefangene restaurieren eine während der Kämpfe im Donbass beschädigte Kirche:

https://www.youtube.com/watch?v=1mgTnjBalEI
Video von Anatoliy Schariy

Insgesamt wurden während der bisherigen Kämpfe etwa siebzig Kirchen im Donbass zerstört oder stark beschädigt.

Weil mal gefragt wurde ...

Wo ordnet sich der Sirko politisch ein? Die Antwort gibt das weiße X auf der nachstehenden Grafik. Mein Weltbild ist sozial-konservativ. Dies bedeutet, dass für mich persönlich die Bewahrung positiver Traditionen in Verbindung mit sozialem Fortschritt wichtig sind. Der aufmerksame Beobachter mag erkennen, wie weit für mich der Weg zu den Liberal-Konservativen (1) und den Sozial-Linksliberalen (2) ist, geschweige denn zu den rein liberalen Lagern. Da ich keine radikalen Neigungen habe, aber auch nicht beliebig bin, befindet das Kreuz sich hinsichtlich der Breite auf einer mittleren, moderaten Position.

Der Spaßfaktor der Grafik: Alle Leserinnen und Leser können nun ihr eigenes Kreuz setzen und daran ablesen, wie nahe oder fern sie mir in den politischen Ansichten sind - was nicht unbedingt eine Auswirkung auf die Vergabe von persönlicher Sympathie oder Antipathie hat!

lager.jpg

Jedenfalls hat für mich die höchste Priorität, dass die Menschen weltweit wie Menschen behandelt werden, indem sie als eigenständige kulturelle und soziale Wesen wahrgenommen werden, die sie nun mal sind, und indem ihre Grundbedürfnisse gewährt sind, zu denen ein Dach über dem Kopf, Kleidung und ausreichend Nahrung gehören. Auch die Möglichkeit der Bildung und die freie Ausübung einer Religion (oder Nichtreligion).

Aber salopp und - zugegeben - verkürzt gesagt: Pressefreiheit für halb verhungerte Analphabeten herbei zu bomben, ist wenig geistreich, tötet aber Schuldige und Unschuldige gleichermaßen. Im Irak waren es bis zu 600.000 Zivilisten. Der ›Dank‹ hierfür ist nunmehr der internationale Terrorismus, eine Bedrohung, der paradoxerweise vermehrt mit der Einschränkung von Freiheiten begegnet wird.

Ich sehe in den durch das Schüren von Krieg, Bürgerkrieg und Aufruhr herbei gerufenen ›Demokratisierungsprozessen‹ keinerlei Fortschritt für die Menschheit. Auch das Beharren auf die Existenz von Kunststaaten lässt oftmals die Friedensordnung lediglich zum Kriegsgrund werden. Es ist außerdem alles andere als liberal, ganzen Völkern und Gemeinschaften die eigenen Ansichten und Ansprüche gewaltsam oder korrumpierend aufzunötigen. Globalisierung ist teilweise eine moderne Form des imperialistischen Kolonialismus, bei dem die ›Kolonialherren‹ jedoch keinerlei eigene Verantwortung für ihre ›Kolonien‹ übernehmen.

Es mutet beinahe lächerlich an, wenn die gewaltsame Durchsetzung der Freiheit des Einzelnen und der Schutz von Minderheiten weltweit Abermillionen Menschen, die bislang lediglich durch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe einigermaßen geschützt waren, in die Flucht - und damit oft in die Isolation - treiben. Die ›Demokratisierung‹ Afghanistans bewirkte den Rückzug der um ihr bloßes Überleben kämpfenden Christen in den Untergrund, die ›Demokratisierung‹ Iraks besorgte lange vor der Terrormiliz IS den beginnenden Exodus der religiösen Minderheiten.

Merkt das niemand? Also weiter so?

»Was nicht zusammen kann bestehen, tut am besten, sich zu lösen«, schrieb dermaleinst Friedrich Schiller. Ja, die Selbstbestimmung von Menschengruppen gehört aus meiner Sicht ebenso zu den Rechten von Menschen, wie die Selbstbestimmung des Einzelnen. Wer mit wem ins Bett geht, ist mir persönlich hingegen völlig schnuppe, sofern es sich um Erwachsene im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte handelt. Das ist weder meine Angelegenheit noch die angestammte Obliegenheit irgendeines Staates.

Vielleicht resultiert aus diesen Ansichten auch mein vom sogenannten ›mainstream‹ abweichendes Verständnis für die Vorgänge im Donbass, weil dort eben nicht nur rein politische und kulturelle Differenzen (leider blutig) ausgetragen werden, sondern weil in diesem Zusammenhang vor allem auch die Anschauungen und Lebensentwürfe des ›kritischen Begleiters von Rhein‹ mit denen des ›soliden Kämpfers vom Severskiy Donez‹ aufeinander prallen. Das eigene Selbstbild bestimmt über Zuwendung oder Ablehnung. Das ist sogar durchaus menschlich.

Aber, um beim Beispiel zu bleiben, muss ich nun mal anfügen, dass die vom Krieg betroffenen Menschen und ihre Schicksale mir sehr viel näher gehen als das juristische Gebilde der ›Einigen Ukraine‹, die nichts anderes ist als ein ehemaliges sowjetisches Verwaltungskonstrukt, um das sich nun die Großmächte rangeln.

Wenn mich dies alles zum ›ganz Linken‹ oder ›ganz Rechten‹ macht, dann bin ich eben ein ›linker Rechter‹ oder ›rechter Linker‹. Es steht jedermann frei, sich an dieser Form der Quadratur des Kreises zu üben, wenn es Spaß macht.

Angenehmes Wochenende!

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