Donnerstag, 23. April 2015

13 Morde, 13 Namen

Die Namen und Todesdaten der innerhalb des Zeitraums vom 27. August 2014 bis zum 16. April 2015 in der Ukraine ermordeten Dissidenten:

01. Valentina Semenjuk-Samsonenko, 27.08.2014
02. Nikolai Sergienko, 26.01.2015
03. Viktor Palaguta, 28.01.2015
04. Aleksey Kolesnik, 29.01.2015
05. Sergey Valter, 25.02.2015
06. Aleksandr Bordjuk, 26.02.2015
07. Michail Chechetov, 28.02.2015
08. Stanislav Melnik, 09.03.2015
09. Aleksandr Pekluschenko, 12.03.2015
10. Olga Moroz, 15.03.2015
11. Sergey Suchobok, 13.04.2015
12. Oleg Kalashnikov, 15.04.2015
13. Oles Buzina, 16.04.2015

Ruht in Frieden.
Möge euch die Erde leicht sein.
Ewige Erinnerung.
stgeorgsband

Lage im Donbass 21./22. April 2015

Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Zwar bleiben die Kampfhandlungen wegen der ungünstigen Wetterlage von eher geringer Intensität, aber insgesamt deuten die Zeichen auf eine erneute Eskalation hin. Obwohl seitens der Kiewer Regierung gewiss keine militärischen Fortschritte erwartet werden können, setzt sie auf die Offensive. Der 9. Mai naht, ein Datum, der für Russland von hoher Bedeutung ist und vermutlich von Provokationen der Gegner begleitet sein wird.

Während der vergangenen Tage gab er erneut Beschuss der Städte Donezk und Gorlovka durch die ukrainische Armee (VSU). Auch Telmanovo im Süden wurde mit Artillerie angegriffen. Die Kämpfe zwischen den Parteien bei Peski und Spartak am Donezker Flughafen halten an. Verwendet werden vorrangig Schützenwaffen und Granatwerfer.

Gemäß des Oberhaupts der nicht anerkannten Donezker Volksrepublik, Aleksandr Zaharchenko, ist die Mobilmachung in seinem Bereich abgeschlossen. Die Anzahl der Freiwilligen übersteigt die mögliche Kapazität ihrer Bewaffnung, so Zaharchenko.

Im Bereich Lugansk gab es Beschuss der Ortschaft Schastye mit schweren Waffen durch die VSU. Pioniere der neurussischen Armee (VSN) räumen indessen Sprengfallen an Brücken im Frontbereich (auch die Brücken zur Krim wurden von den Ukrainern komplett vermint). Kämpfe finden entlang der Bakhmutska-Trasse statt.

Dienstag, 21. April 2015

Schweig oder stirb!

Im Programm ›Svoboda Slova‹ (etwa: Meinungsfreiheit) des ukrainischen Telekanals ICTV äußerte sich Vasili Vovk, der oberste Ermittler der Ukraine, zu den jüngsten Morden an bekannten regierungskritischen Politikern und Journalisten. Vovk empfahl den Dissidenten künftig den Mund zu halten, wenn sie am Leben bleiben wollen. Ob es sich um einen guten Rat oder eine offene Drohung handelt, lässt sich nicht klar sagen.

Klar gesagt werden kann hingegen: Innerhalb nur einer Woche wurden mindestens vier Morde an bekannten Dissidenten verübt. Der Journalist Sergei Suchobok verlor am 13. April sein Leben, zwei Tage später starb der Politiker Oleg Kalashnikov, einen weiteren Tag darauf der Journalist Oles Buzina. Ein weiteres Opfer wurde am vergangenen Donnerstag bekannt: Olga Moroz, die Chefredakteurin der kritischen ukrainischen Zeitung ›Neteshinskij Vestnik‹. Sie starb vermutlich schon im März und wurde erst jetzt in ihrem Haus aufgefunden.

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Foto - Olga Moroz

Zumindest Buzina und Kalashnikov tauchten mit Name, Adresse und Aktivitäten in den Auflistungen von angeblichen ›Terroristen und Separatisten‹ der ominösen ukrainischen Denunziations-Website ›Peacekeeper‹ auf.

Hierzu Chefermittler Vovk: »Ich denke, dass in einer Zeit, in der es praktisch einen Krieg gibt, Ukrainophobe, die den Mund nicht halten, zumindest in ihrer Rhetorik gestoppt werden müssen. Ich denke, dass in der gegenwärtigen Situation es nicht sein sollte, dass jemand sich gegen die Ukraine und das Ukrainertum wendet.« Eine offizielle Definition von Ukrainophobie, räumt Vovk ein, gibt es nicht. »Jeder weiß, wovon wir reden«, sagt er.

Die Organisation, die sich zu den Morden bekannt hat, will Vovk nicht kennen. Die sogenannte ›Ukrainische Aufständische Armee‹ (UPA) existiere nicht, meint der Chefermittler. Auch keine anderen rechtsradikalen Organisationen oder Gruppen.

Der Leiter des Geheimdienstes SBU, Valentin Nalivaichenko, will mit seiner Behörde hingegen gar selbst in die Fußstapfen der faschistischen UPA treten, die sich mit brutaler Gewalt, Mord und Folter hervortat. Sein Dienst solle nach deren Vorbild organisiert werden, fordert Nalivaichenko. Die UPA beging in der Zeit des II. Weltkrieges Massaker an bis zu 125.000 Polen in Ostgalizien und Wolhynien. Auch mehrere Tausend russische und ukrainische Zivilisten wurden von dieser Formation ermordet. Der damalige Anlass: ›Ukrainophobie‹ und Feindschaft gegenüber dem ›Ukrainertum‹.

Link - Website des Formats ›Meinungsfreiheit‹
des Telekanals ICTV

http://svoboda.ictv.ua/

Eine Geschichte aus Odessa

Nach dem ›Genuss‹ der ukrainischen Propaganda denunzierte ein pro-westlicher Jugendlicher namens Oleksandr seinen eigenen Vater. Er schrieb einen Brief an den ukrainischen Militärgeheimdienst SBU und empörte sich über die durch seinen Vater verwendete Bezeichnung ›antinational‹ gegenüber der Kiewer Regierung. Der durch den eigenen Sohn Verratene wurde umgehend vom SBU verhaftet. Der Vorwurf: Separatismus.

Ivan, der ältere Bruder des Denunzianten, verprügelte Oleksandr, der eine Gehirnerschütterung und gebrochene Rippen erlitt. Nun wird Ivan von der Polizei wegen Körperverletzung mittlerer Schwere gesucht. Er ist mittlerweile untergetaucht.

Nun ist Gewalt keine Lösung, aber ich kann Ivan gut verstehen. Diese Geschichte lässt den durch die ukrainische Gesellschaft gehenden tiefen Riss, nicht nur im Osten, erkennen. Aber den eigenen Vater zu denunzieren, hat eine besondere ›Qualität‹ ...

Montag, 20. April 2015

Lage im Donbass

Auch über das Wochenende wurden die Kämpfe im Donbass fortgesetzt. Schwerpunkte sind die Umgebung des Donezker Flughafens mit den Siedlungen Peski und Spartak, die Bakhmutska-Trasse im Raum Lugansk und das Dorf Shirokino nahe Mariupol geblieben. Wegen ungünstiger Wetterbedingungen sind die Kampfhandlungen leicht abgeflaut. Es gab erneut Beschuss der Städte Donezk und Gorlovka durch die ukrainischen Truppen (VSU) mit schweren Waffen, besonders aus dem Raum Avdeyevka. Auch die neurussischen Streitkräfte (VSN) holen ihre Geschütze zurück an die Frontlinie.

Kleinere Vorstöße unternahm die VSU gegen Elenovka und Dokuchaevsk südlich von Donezk. Truppenansammlungen der VSU wurden auch im Raum Svetlodarsk, Popasnaya, Troizkoe und Krasny Pakhar (alles nördlich von Debalcevo) beobachtet.

Schwerere Gefechte ereigneten sich entlang der Bakhmutska-Trasse. Gekämpft wird bei den Blokposts Nr. 29, 31 und 37. Die Ortschaft Schastye wurde von der VSU mit Granatwerfern beschossen. In diesem Bereich befestigen die Ukrainer ihre Stellungen, besonders am Blokpost Nr. 29 bei Novotoshkovskoe sowie bei Pervomaisk und Krasny Pakhar. Möglichweise beginnt demnächst eine Offensive der VSU bei Slavyanoserbsk im gleichen Abschnitt.

Im Süden mussten die Mitarbeiter der OSZE das Dorf Shirokino wegen schweren Beschusses verlassen. Dort gab es zwei Artillerieduelle. Es gab keine Toten, aber weitere Zerstörungen der ohnehin kaum noch bewohnbaren Ortschaft.

Währenddessen beginnt in Lvov die Ausbildung von Einheiten der ukrainischen Nationalgarde durch Soldaten der 173. US-Luftlandebrigade. Zu den ›Azubis‹ gehören ausgerechnet auch Kämpfer des berüchtigten Nazi-Regiments Asow. Hierzu möchte ich keine weiteren Worte verschwenden!

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Foto - Milizsoldaten der VSN

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Foto - Soldaten der USA (hellgrau) und der VSU

Sonntag, 19. April 2015

Fundstück

Wer mit dem Feuer spielt, riskiert gelöscht zu werden. So erging es zumindest einem der im politischen Westen beliebtesten Ukrainer und künftigen Preisträger der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung: Vitali Klitschko.

vitali-klitschko.jpg

Nein, er spielt nicht die Titelrolle im Remake des Gruselfilms ›Ein Zombie hängt am Glockenseil‹, er hat sich auch nicht mit einem Mehlsack geprügelt, sondern wurde vermutlich beim Besuch bei friedlichen Brandstiftern Demonstranten von der Feuerwehr über und über mit Löschpulver bedeckt.

Tja, ziemlich dumm gelaufen ...

Kurz zur Lage im Donbass

Nach wie vor wird im Raum Peski am Donezker Flughafen, in Shirokino bei Mariupol und an der Bakhmutska-Trasse im Lugansker Raum gekämpft. Die ukrainische Armee (VSU) versucht weiterhin erfolglos bei Peski und Spartak die Verteidigungsstellungen der neurussischen Streitkräfte (VSN) zu durchbrechen. Die Fronten haben sich festgefahren, es ist ein Stellungskrieg.

Erneut wurden seitens der VSU die Randbezirke der Städte Donezk und Gorlovka mit Artillerie beschossen. Es gab Verletzte, aber keine Toten unter den Zivilisten. Die Ukrainer befestigen ihre Stellungen bei Mariupol, Volnovakha und Svetlodarsk. Man bereitet sich anscheinend auf eine längere Verteidigung vor. Im Raum Peski hingegen zieht die ukrainische 93. Mechanisierte Brigade Panzer und gepanzerte Fahrzeuge für eine Offensive zusammen.

Nach der Ermordung

Oles Buzinas sagte die Nazi-Tante Irina Farion (Svoboda), er sei kein Mensch gewesen, sondern eine diabolische Kreatur. Gottlob denken nicht alle Menschen in der West- und Zentralukraine so wie die Farion.

Ein aktuelles Foto vom Ort der Bluttat:

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Das Wetter in Polen

Nein, ich bin nicht der neue Wetterfrosch, finde aber das folgende Foto putzig. Ein polnischer TV-Sender hat gleich mal einen Teil der Westukraine an Polen angeschlossen.

polen.jpg

Samstag, 18. April 2015

Ein Augenzeuge berichtet

Aleksandr Matyuschin, Funkcode ›Varjag‹, ist der Stellvertreter des Stabschefs der 5. Taktischen Bataillonsgruppe der Donezker Republikanischen Garde. Sein Bericht über die Lage in Donezk und Gorlovka:

»Gestern gab es den ganzen Tag lang Beschuss auf Ortschaften der Donezker Republik, verbunden mit Versuchen unsere Verteidigung zu durchbrechen. Tagsüber gab es wiederholte Versuche bei unseren Stellungen am ›Volvo Center‹ und bei Zhabunkov. Die Angriffe wurden von den Bataillonen Vostok und Somali erfolgreich abgewehrt. Die Ukrainer mussten sich mit Verlusten zurückziehen. Auch bei Spartak gab es Angriffe, die ebenfalls abgewehrt wurden.

Die 5. Taktische Gruppe wurde bei Peski unter Beschuss genommen, aber hatte keine Verluste zu beklagen. Die Ukrainer versuchten aus Richtung Avdeyevka in den Bereich des Flughafens vorzudringen. Ständig gab es Beschuss von Donezker Wohngebieten und umliegender Ortschaften. Auch Gorlovka wird von Dzershinsk aus beschossen.

Die Lage an der Front hat sich in dieser Woche kaum verändert. Aber ich glaube an unseren Sieg. Wir werden letztendlich die Sieger sein.«


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Anmerkung 1 - Bei einer Taktischen Bataillonsgruppe handelt es sich um einen gemischten Kampfverband mit 450 bis 500 Soldaten, der verschiedene Waffengattungen in sich vereint und somit taktische Aufgaben selbständig lösen kann.

Anmerkung 2 - Bei dem Totenschädel auf dem Ärmelabzeichen des Milizsoldaten handelt es sich um ein zu Zarenzeiten von mehreren Regimentern genutztes Symbol (vor dem möglichen Entstehen von SS-Fantasien sagt man das wohl besser dazu).

Gestern in Odessa

marschierte ein weiteres Mal der rechtsextremistische Mob durch die Straßen. Ohne weitere Kommentare.

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Der 17. April 2015

Am Freitag nahm die Intensität der Kämpfe leicht ab. Schwerpunkte im Donezker Bereich sind weiterhin der Flughafen und die benachbarten Siedlungen Peski und Spartak. Die Parteien liefern sich Infanteriekämpfe. Hinzu kommt auf beiden Seiten verstärkte Aufklärungstätigkeit. Von den neurussischen Truppen (VSN) wurden 17 gegnerische Drohnen registriert, von denen drei abgeschossen werden konnten. Die Stellungen werden ausgebaut. Erneut wurden Donezk und Gorlovka von den ukrainischen Truppen (VSU) beschossen.

Im Lugansker Bereich finden weitere Kämpfe an der Bakhmutska-Trasse statt, insbesondere um die Blokposts Nr. 29 und 31. Die VSN hält die Frontlinie, alle Angriffe konnten abgewehrt werden. Im Osten von Lugansk gab es zwei schwere Explosionen.

In Shirokino nahe Mariupol will die OSZE-Mission eine 24-stündige Beobachtung vornehmen. Das Nazi-Regiment Asow weigert sich nach wie vor, die Neutrale Zone zu verlassen, kann aber wegen der starken Abwehr der VSN nicht vorrücken.

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Foto - ›Flaggenparade‹ des Asow-Regiments in Shirokino

Freitag, 17. April 2015

GLADIO lässt grüßen

Die Website der ukrainischen Organisation ›Peacemaker‹ bietet alles, was das Herz des russophoben Kriegstreibers begehrt. Gegenüber den Menschen in Donbass wird allgegenwärtig der folgende Duktus verwendet: ›Verräter, Separatisten, Terroristen und Aufständische, Söldner russischer Herkunft, Kriegsverbrecher aus den Streitkräften der Russischen Föderation sowie Unterstützer allen Bösen jedweder Couleur‹.

Weite Teile dieser Site mit ihren seltsamen Aussagen, Auflistungen und sogar einer Art Denunziationssoftware zum Herunterladen muten mehr als grotesk an, auf jeden Fall aber wirkt der ganze Online-Auftritt tumb propagandistisch und anstachelnd zum Hass. Inhaltlich noch billiger könnte man ihn höchstens mittels sexistischer Obszönitäten gestalten.

Verlinkt sind offizielle Behörden und Einrichtungen der Ukraine. Freundlicherweise wird die Seite unaufgefordert in die Sprache des Besuchers übersetzt. Man erreicht sie unter der URL psb4ukr.org. Verfolgt man diese URL, so landet man bei psb4ukr.nato.int. Letzteres ist eine Subdomain von nato.int, der offiziellen Webadresse der NATO.

Link - Bloggerin Jennifer Cohagen zum Mord an dem ukrainischen Journalisten Buzina, dessen Profil auf der o.g. Site veröffentlicht wurde
http://www.twitlonger.com/show/n_1slq28u

Anmerkung - Auf der besagten Website werden ukraine-kritische Personen nebst deren Adressen aufgelistet und quasi ›zum Abschuss freigegeben.‹ Auf einem NATO-Server.

Der Kriegstag 16. April 2015

Die Situation im Donbass blieb weiterhin sehr angespannt. Anhaltende Kämpfe gab (und gibt) es besonders im Bereich Peski und Spartak am Donezker Flughafen, entlang der Bakhmutska-Trasse und bei Staniza Luganskaya. Nahe Marinka bei Donezk gab es Infanteriekämpfe. Seitens der nicht anerkannten Volksrepubliken wird eine weitere Eskalation erwartet. Aufklärungsergebnisse der neurussischen Streitkräfte (VSN) lassen die Formierung von Angriffskräften der ukrainischen Armee (VSU) erkennen.

Während der Nacht konnten die Menschen in Donezk Kanonendonner hören. Ukrainische Vorstöße werden von Kampfpanzern und Artillerie unterstützt. Die VSU versucht nach Donezk durchzubrechen, wird aber immer wieder zurückgeschlagen. Auf beiden Seiten ist die Rede von jeweils bis zu 300 Verwundeten. Die VSN schoss zwei ukrainische Aufklärungsdrohnen ab und zerstörte acht gegnerische Panzerfahrzeuge.

Vertreter der OSZE, der Russischen Föderation und der Ukraine sowie der Donezker Volksrepublik vereinbarten, dass die VSU ihre Toten von Gefechtsfeldern bergen kann.

Auch bei Shirokino am Asowschen Meer wird gekämpft. Die humanitäre Situation für die wenigen noch zwischen den Ruinen verbliebenen Menschen ist katastrophal. Rund um Mariupol verstärkt die VSU ihre Stellungen. Zwei stark ausgebaute Ringe aus Gräben, Unterständen und Feuerstellungen umgeben die Stadt.

Beschossen durch die VSU wurde auch die Siedlung Troizkoe bei Svetlodarsk. Es gab glücklicherweise keine Verletzten. Gekämpft wird um die früheren Blokposts Nr. 29 und 31 an der Bakhmutska-Trasse, wo Granatwerfer und Kleinwaffen zum Einsatz kommen.

Der Waffenstillstand ist definitiv gescheitert. Aber es ist derzeit ein ungleicher Kampf, da die VSU schweres Gerät bereits einsetzt und die VSN ihre Waffensysteme erst wieder heranholen muss. Dass die Volksmilizen ihre Positionen weitestgehend halten, zeigt ihren hohen Grad der Motivation und die kämpferische Überlegenheit. Die Anwesenheit ausländischer Truppen in der Ukraine wird die Entschlossenheit weiter erhöhen. Dennoch, die Kämpfe erfordern hohe Opfer.

Währenddessen erreichte der 24. Humanitäre Konvoi des russischen Notfallministeriums den Donbass. Er enthält mehr als 1.400 Tonnen Lebensmittel, Gegenstände des täglichen Bedarfs, Baumaterialien und Schulbücher.

Donnerstag, 16. April 2015

Der siebte Tote

Zwei ermordete Systemkritiker in zwei Tagen!

Heute wurde im Shevchenko-Distrikt der ukrainischen Hauptstadt Kiew der oppositionelle Journalist Oles Buzina ermordet. Der Journalist, Autor und TV-Moderator war wegen seiner kritischen Berichte über die Kiewer Regierung und die Verhältnisse in der heutigen Ukraine bekannt geworden. Wie am Tag zuvor der Politiker Kalashnikov wurde auch Buzina mit einer Feuerwaffe erschossen.

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Foto - Oles Buzina

Пусть земля будет пухом!

Die Kämpfe am 15. April 2015

Um die Siedlungen Peski und Spartak in der Nähe des Donezker Flughafens wird weiterhin mit voller Härte gekämpft. Die ukrainische Armee (VSU) greift mit Infanterie und gepanzerten Fahrzeugen an, die neurussischen Streitkräfte (VSN) befinden sich in der Defensive. Die Artillerie der VSN wird notgedrungen an die Front zurückgeführt. Spartak wird trotz vieler Verwundeter gehalten. Unter allen Umständen soll ein Durchbruch der VSU in die Stadt Donezk verhindert werden. Eine ukrainische Aufklärungsdrohne konnte abgeschossen werden.

Weitere Kämpfe finden bei Gorlovka statt. Die Stadt wird von der ukrainischen 93. Mechanisierten Brigade und Nazi-Freiwilligentruppen (OUN) in Dzershinsk mit schweren Waffen beschossen. Daneben gibt es Kampfhandlungen beim früheren Blokpost Nr. 37 an der Bakhmutska-Trasse und der nahe gelegenen Ortschaft Sokolniki. Auch hier halten die Verbände der VSN ihre Positionen.

Shirokino bei Mariupol ist nur noch eine Trümmerstätte. Die Ortschaft wurde systematisch vernichtet. Da die VSN immer wieder ihre Stellungen halten bzw. zurückerobern konnte, wurde der längst menschenleere Ort mit Artillerie zusammengeschossen. Aktiv ist hier besonders die ukrainische Nationalgarde, namentlich das Nazi-Regiment ›Asow‹.

Link- OUN-Bataillon des ›Rechten Sektors‹ verlässt Peski
https://www.youtube.com/watch?v=t_Kq2y4JMW0
(Video der ukrainischen Seite)

Der sechste Tote

Am 15. April 2015 wurde ein Mann namens Oleg Kalashnikov vor seinem Haus in Kiew von Unbekannten erschossen. Kalashnikov war ein früheres Mitglied des ukrainischen Parlaments, der stellvertretende Vorsitzende der vom ›Euromaidan‹ gestürzten Regierungspartei ›Partei der Regionen‹ und einer der Organisatoren des ›Antimaidan‹.

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Foto - Oleg Kalashnikov

Vor seiner Ermordung hatte der Politiker sich für die würdige Begehung des ›Tages des Sieges‹ am 9. Mai engagiert, wofür ihm wiederholt Gewalt angedroht worden war.

In den vergangenen zwei Monaten kamen nicht weniger als sechs maßgebliche ukrainische Oppositionspolitiker unter mysteriösen Umständen ums Leben. Zwei haben angeblich Suizid begangen.

Пусть земля будет пухом!

Mittwoch, 15. April 2015

Der stille Don

FÜR ELSA

Das große Werk Michail Scholochovs ›Der stille Don‹ beschreibt die Geschichte des Donkosaken Grigori Melechov und dessen tiefe innere Zerrissenheit. Er ist mit wohlhabenden Natalja verheiratet und liebt die schöne Aksinja. Er wendet sich zuerst den Bolschewiki zu und kämpft dann doch für die Weiße Armee. Zuletzt schließt er sich sogar einer Räuberbande an. Auch Boris Pasternaks Romanfigur Doktor Juri Schivago ist hin- und hergerissen zwischen Ehefrau Tonja und seiner Geliebten Lara, er wandelt sich nach Irrungen und Wirrungen vom sozialistisch Gesinnten zum Dissidenten.

Beide Autoren, Scholochov wie Pasternak, beschreiben in ihren Büchern die ureigene russische Seele in ihrer Standfestigkeit und Wankelmütigkeit, sich oft hin und her bewegend zwischen Euphorie und Lethargie, zwischen nüchternem Pragmatismus, brodelndem Überschwang und stiller Melancholie.

Dass es mir manchmal ebenso ergeht, ist wohl meinem urgroßmütterlichen, russisch-kosakischen Erbe geschuldet. Es beinhaltet, dass ich auf nahezu identische Situationen höchst unterschiedlich reagiere, dass mich ein und das Selbe mal aufregt, mal mit einem Schulterzucken quittiert wird, in meinen Augen mal bedeutsam und mal uninteressant ist. Und Ideen oder Ideale müssen, sofern sie mich erreichen wollen, groß sein. Dafür oder dagegen, selbst trotz mancher Zweifel loyal zu jenen, die ich ›meine Leute‹ nenne.

Auch im II. Weltkrieg war es so, dass der russische Bär erst dann erwachte, als die deutschen Faschisten und ihre Verbündeten tief in sein Heimatland eingedrungen waren und dessen Fortbestehen ernsthaft bedrohten. Es ist sogar eine der Gemeinsamkeiten der Russen mit den Deutschen, lange Zeit stillschweigend oder leise murrend zu erdulden und zu ertragen, bis sie sich erheben und ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Ebenfalls gemeinsam: dann kommt es dicke.

Dies gilt auch für den Donbass und seine Menschen. Es kann nicht einen halben Frieden geben, keine halbe Autonomie. Dazu ist es zu spät. Der sehnliche Wunsch nach Frieden und das gleichzeitige aufopferungsvolle Streben nach Autonomie schließt einen Burgfrieden nämlich aus, auch wenn der Wille zum Frieden ebenso stark ist, vielleicht noch stärker ist, als die Sehnsucht nach Freiheit.

Da ist eine einzige Gewissheit: Es geht immer weiter. Nach einer Zeit des Winters und der Finsternis kommt eine Zeit des Frühlings und des Lichts. Mit Zuversicht und Gottvertrauen verwandelt die längste Nacht sich wieder in einen sonnigen Tag. Irgendwann. Auch wenn der einsame Lichtstrahl noch hinter dichten schwarzen Wolken verharrt.

Weitere Kämpfe im Donbass

Immer wieder gab es Berichte über die Umgruppierung schwerer Waffen durch die ukrainische Armee (VSU) statt deren Abzugs von der Kontaktlinie. Nun feuern diese Waffen aus allen Rohren auf die Städte und Siedlungen im Donbass, die nur wenig Zeit zur Erholung hatten. In den vergangenen 24 Stunden wurden Gorlovka, Donezk, Dokuchaevsk und Telmanovo von der VSU unter Beschuss genommen. Von Waffenstillstand keine Spur.

Heftige Kämpfe mit den neurussischen Streitkräften (VSN) ereignen sich derzeit bei den Blokposts Nr. 29 und 31 an der Bakhmutska-Trasse, am Stadtrand von Gorlovka, in Peski und Spartak bei Donezk, bei Elenovka, Granitnoe und Shirokino. Besonders umkämpft: die Siedlungen Spartak und Peski am Donezker Flughafen. Hier stehen die Brigade Vostok und die Bataillone Oplot, Somali und Sparta einer erdrückenden Übermacht gegenüber, zumal ohne über die Masse ihres schweren Geräts verfügen zu können.

Auch die OSZE berichtet von schweren Kämpfen im Bereich des Flughafens Donezk. Das ohnehin angeschlagene Vertrauen vieler Menschen im Donbass gegenüber der OSZE dürfte nunmehr gänzlich erschüttert sein, denn der Aufmarsch der VSU spielte sich quasi vor ihren Augen ab. Kaum jemand sieht diese Organisation noch als neutral an.

lagedonbass.jpg
Karte der Gesamtsituation

Vermehrt wird berichtet, dass Poroschenko das Kriegsrecht über den Donbass verhängt hat. Während sowohl die G7 als auch die Minsker Kontaktgruppe beraten, sind hundert von 300 US-Instrukteuren in Lvov (Westukraine) eingetroffen. Dass die neuen Kämpfe damit in Zusammenhang stehen, dass die Kiewer Regierung keineswegs auf eine Verhandlungslösung setzt und dabei von der US-Administration und weiteren westlichen Staaten bestärkt wird, kann kaum noch übersehen werden. Zu stark sind die politischen, militärischen und wirtschaftlichen Interessen an der Ukraine ausgeprägt, um auch nur ein kleines Stückchen davon abzugeben.

Russland kann es hingegen nicht hinnehmen, dass die russischsprachige Bevölkerung im Donbass getötet oder unterjocht wird und muss entsprechend handeln. Die Gefahr einer Konfrontation der großen Mächte steigt damit an.

Die Kräfte der VSN werden ihre Stellungen weitestgehend halten. Das haben sie in den vergangenen Monaten hinlänglich bewiesen. Aber die Opferzahlen steigen - mitten in der ›Waffenruhe‹.

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